Buch- und Drehbuchautor Thomas Meyer gibt einen Cashkurs der jüdischen Sprache.

Jiddisch ist vor ungefähr 1000 Jahren im deutschen Sprachgebiet entstanden. Als die dort ansässigen Juden ab dem 11. Jahrhundert verfolgt wurden, flüchteten die meisten nach Polen und Litauen. Dort entlehnte das Jiddisch viele Wörter und satzbauliche Eigenarten aus den neuen sprachlichen Umgebungen. Darum klingt Jiddisch ein bisschen so, als würde ein slawischer Einwanderer Schweizerdeutsch sprechen, das ja ebenfalls ein mittelhochdeutscher Dialekt ist.

Jiddisch wird vor allem in ultraorthodoxen Familien in Jerusalem und New York gesprochen. Viele säkulare Juden gebrauchen Jiddisch zudem in einzelnen Wörtern und Redewendungen. Nur Juden? Nein. Seit Motti Wolkenbruch seine Geschichte im Kino erzählt, erfreuen sich auch Nichtjuden an den niedlichen Begriffen, von denen hier einige für den Hausgebrauch aufgeführt sind.

Bald im Kino!

L'chaim! Auf das Leben! Auf die Liebe! Auf den Kinostart am 25.10.!

Gepostet von Wolkenbruch am Freitag, 12. Oktober 2018

farkakt*

Heisst so viel wie "beschissen". Ist ein Kind beispielsweise müde oder erkältet, hat es "farkakte Ojgn".

blizbrif

Jiddisch entwickelt sich immer weiter und hat eine rührend kindlich-bildliche Art, neue Begriffe zu formen. Der »Blitzbrief« als Synonym für das E-Mail ist ein schönes Beispiel dafür.

zures

Ein sehr schönes Wort für Unglück, Leid und Ungemach. Zures hat man mit der mame, die zuviele ejzes gibt, mit dem Partner oder mit dem Chef.

chuzpe*

Meint eine charmante, beinahe verzeihliche Form der Frechheit. Wer chuzpe hat, traut sich was.

WEJ*

Ist vor allem im hübschen Ausdruck »oj wej!« gebräuchlich und heisst genau das: oh weh.

CHASERAJ

»Chaser« ist hebräisch für das Schwein, die chaseraj ist somit eine Schweinerei – und wird in New York am Kebabstand genau gleich gebraucht wie hier der Ausdruck »mit scharf«.

blizbrifEJZE*

Eine ejze, gesprochen »äitse«, ist ein Ratschlag. Jüdische Mütter – oder überhaupt alle – geben sie ihren Kindern ständig. Wer genug davon hat, kann sagen: »Verschon mich mit deinen ejzes, mame!«

Jetzt im Kino